Bach mit Feuer in den Augen

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LUXEMBURG GERHARD KLUTH, journal.lu – 06.12.2012

Brillantes Weihnachtsoratorium in der Philharmonie

Ein wenig war das jüngste Konzert der Serie „Voyage dans le temps – musique ancienne et baroque“ im Grand Auditorium der Philharmonie seiner Zeit voraus.

Der Advent hat gerade begonnen und auf dem Kirchberg stand am Mittwochabend schon das Weihnachtsoratorium, BWV 248, von Johann Sebastian Bach auf dem Programm. Man kann hier unterschiedlicher Meinung sein, ob es richtig ist, schon im Advent die Kantate zum Neujahrstag oder die zu Epiphanias erklingen zu lassen. Der Musik tut es keinen Abbruch, wie man bei dem Abend mit dem Balthasar-Neumann-Chor und Ensemble feststellen konnte.

Beide gehören zur Weltspitze und wenn Thomas Hengelbrock mit seinen Vokalisten und Instrumentalisten aus Freiburg anreist, kann man von einem Abend auf höchstem Niveau ausgehen. Fast möchte man sagen, dass diese Erwartungen natürlich auch in Luxemburg erfüllt wurden. Aufgeführt wurden die Kantaten eins, sowie vier bis sechs.

Verfrühtes Weihnachtsgeschenk

Hengelbrock ließ sich nicht von der nüchternen Atmosphäre der Philharmonie beeindrucken, vom fehlenden Kruzifix und der trockenen Akustik, die den Chorälen Bachs diese himmelstrebende Energie verleihen. Neben der künstlerisch anspruchsvollen Musik ließ er auch die theologische Botschaft aufleuchten, hatte etwas zu sagen, als es hieß „Jauchzet, frohlocket!“

Etwa, wenn er in der Alt-Arie „Bereite dich Zion“ bei den Worten „mit zärtlichen Trieben“ seine Instrumentalisten tatsächlich mit zartem, fast liebevollen Piano spielen ließ. Oder wenn er den Eingangschor der fünften Kantate so lebhaft und sprudelnd gestaltete, dass er an den Tanz König Davids vor der Bundeslade erinnerte. Das war ein Erleben, das unter die Haut ging, dem man sich so leicht nicht entziehen konnte. Kongenialer Partner für Hengelbrock war Tenor Tilman Lichdi, der die Rolle des Evangelisten übernommen hatte.

Was seine Stimme angeht, kann man sie nur mit einem Prädikat beschreiben: brillant. Traumhaft in den Höhen, kraftvoll und trotzdem weich. Die Art aber, wie er in der vierten Kantate die Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben“ interpretierte, war schlicht faszinierend. Seine ganze Ausstrahlung zeigte, dass er von dem, was er da zu singen hatte, überzeugt war. Wer seine Augen sehen konnte, erblickte ein begeistertes Feuer. Bei den zahlreichen Solisten, die sich aus dem Chor rekrutierten, hatte Hengelbrock nicht immer eine glückliche Auswahl getroffen. Mit schlanken, zur Interpretation besonders gut passenden Stimmen taten sich hier die Sopranistin Heike Heilmann, Anne Bierwirth (Alt), der Tenor Nils Giebelhausen und der Bassist Stefan Geyer hervor. Ein großer Abend und ein etwas verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Danke.

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